Samstag, 18.11.2006
1. FC Eschborn - Borussia Fulda 0- 1
Wieder einmal ein Auswärtsspiel
irgendwo bei Frankfurt. Auf einen genialen Vorschlag hin, geht es mal nicht
über die A66 sondern mit dem Regionalexpress auf Tour.
Treffen am Bahnhof Fulda mit einer leider nicht gerade üppig bemessenen
Anzahl TeilnehmerInnen, was dem Erlebnis Zug jedoch keinen Abbruch tun sollte.
Schnell noch Getränke und vor allem das besorgen, was das Highlight des
Tages werden sollte: in einem bekannten 1€-Shop gibt es „Party-Popper“
mit garantierten und grandiosen 5 Metern Reichweite zu kaufen. Toll.
Die Hinfahrt verläuft
schon äußerst amüsant, die Toiletten wie immer ein Alptraum,
aber man muss ja schließlich die die Getränke schleunigst leeren,
denn wer weiß schon wie streng am Eschborner Stadion kontrolliert wird?
Beim Warten auf die S-Bahn am Tiefbahnhof erfolgt dann eine wundersame Vermehrung
der Borussenfans durch Anhänger aus Hanau. Zeitweise übersteigt die
Zahl der Borussen gar die der HSVler, die sich auf dem Weg nach Mainz befinden.
Kurze Gedankenspiele über einen Angriff derer, so dass man dann erzählen
könne, man habe die Hamburger geschlagen, verlaufen im Sand, als der Apfelwein
verteilt wird und immer mehr Blaue die Rolltreppe hinunterfahren!:-)
Fast hätte es den Verlust des ersten Fans gegeben, weil die Toilette anscheinend
so unendlich weit weg ist und die S-Bahn schon einfuhr. Mit dem Verlust seines
Apfelweins musste er zumindest leben!
Den bedauernswerten Zustand des Bahnhofs in Eschborn zu beschreiben fällt
schwer, man muss es gesehen haben. Alles voller Müll und Graffitis, wie
es halt so ist in Rhein-Main.
In Bahnhofsnähe gleich auch eine einschlägige Gaststätte „Eating-Point
– Snacks, Getränke und vieles mehr“. Dass sich ein Teilnehmer
ein Rumpsteak bestellt haben und dann einfach weggegangen sein soll, ist eine
bestätigte Tatsache und nicht nur ein Gerücht. Richtung Sportfeld
und Hundeplatz ging es weiter durch kleine Gassen eines Wohngebietes, die die
Cracks unter den Auswärtsfahrern an besondere Erfahrungen erinnerten: „Wie
bei Arsenal“.
Da die Kasse erst in fünfzehn
Minuten öffnet, lassen wir uns noch ein wenig von den Checker-Jugendspielern
der Eschborner ärgern, bis durchgesetzt wird, dass wir nicht ums komplette
Sportgelände laufen müssen, um Einlass zu finden. Sehr entgegenkommend,
dass die Preise für die treuen Fans in den letzten beiden Heimspielen gesenkt
werden (doch nur 5 Euro). Fast werden die Party-Popper einkassiert, wahrscheinlich
wegen der Reichweite von bis zu 5 Metern. Aber letztendlich steht einem Einsatz
doch nichts mehr im Weg.
Das Stadion selbst ist völlig verbaut von Zäunen, gar die Lautsprecher
werden (vor sich selbst?) geschützt. Wir bauen uns im Puffer-Block auf,
denn heute muss man die rivalisierenden Fangruppen nicht durch einen leeren
Bock, in dem nur Polizisten stehen, trennen. Kommt überhaupt gar nicht
in der Oberliga vor.
Zum Öffnen des Panik-Tores muss der Zaun übersprungen werden. Und
das wiederum ist notwendig, um die Fahnen aufzuhängen. Fast kommt es dabei
zu einem Schwerstverletzten, weil die Schwerkraft aus 2 Metern einerseits unterschätzt
wird und andererseits aber auch der Rasen rutschig ist. Wir sind erschrocken,
aber die Mannschaft amüsiert sich köstlich. Gleich kommt auch ein
Ordner angesprungen, der aber äußerst gelassen reagiert.
Die Curry-Wurst im eingezäunten Catering-Bereich kostet 2,10, echt stolzer
Preis. Die Auswahl an Getränken ist überwältigend, von Bier über
warmen Apfelwein bis hin zu Schnaps jeglicher Art wird alles angeboten.
Im Block kommen auch die Party-Popper zum Einsatz, die aber leider statt der
versprochenen 5 Meter leider nur eine enttäuschende (großzügig)
geschätzte 20 cm hohe Konfettikanone in die Luft schießen!
Das Spiel verläuft
fast ohne jegliche Torchance auf beiden Seiten, aber dennoch ist es spannend
anzuschauen. Einige kleine Provokationen der Eschborner Spieler verleihen das
nötige Feuer, was auch die beiden Platzverweise belegen.
Fast haben wir uns schon mit einem 0-0 abgefunden, als doch noch alles anders
kommt. In den letzten Minuten ist der Gastgeber näher an der Führung
dran als Borussia und man ist kurz davor sich den Abpfiff herbeizusehnen, als
ein genialer Pass auf Eric Franc erfolgt, er einen tollen Sprint hinlegt und
endlich einmal eiskalt verwandelt. Ich glaube keiner ruft „Tor“,
alle schreien vor lauter Erleichterung und überglücklicher Freude
nur irgendwelche unzusammenhängende Buchstabenfolgen „AAARGH“
(es gibt so eine Stelle in Hornbys Fever Pitch, daran hat mich das erinnert).
Wieder mal auswärts gewonnen, sicherlich ein wenig glücklich, aber
das macht gar nichts. Mit einem von Roland Borrmann angeführten Humba wird
alles ausgelassen gefeiert. Auswärts macht Borussia momentan viel mehr
Spaß als zu Hause.
In der S-Bahn wurde dann
auch schön gesungen und der SCB verewigt (auf nicht kriminelle Weise),
so dass der Schriftzug noch ein bisschen im Rhein-Main-Gebiet herumfährt.
Man kürte auch den 1.000. Besucher mit einer Konfetti-Kanone, sowie die
Gewinner der 1 Mio Zloty Show (die sich aus unverständlichen Gründen
aber nicht wirklich freuten).
Am Hauptbahnhof galt es dann noch einige Zeit totzuschlagen, also mehr Apfelwein,
aber auch mal was zu essen. Leider verloren wir zwei unserer Mitstreiter an
die Damen in gewissen Frankfurter Etablissements, die ein Ticket mitnahmen.
Als ein Fuldaer sich an einem Schalter anstellte um ein neues zu kaufen, wurde
er auf schäbigste Weise diskriminiert, weil man ohne Vorlage der BahnCard
nicht glauben konnte, dass eine Person mit Fußball-Schal BahnComfort-Kunde
sein kann.
Im Zug wurden dann noch die Freuden der hydraulischen Türen erforscht und
wie man sie manipulieren kann, es gab aufgrund dessen ein Augen-Starr-Duell,
das Keulos bravourös gewann, ein weiblicher Fan wurde vom Schaffner herabgewürdigt
(„Du warst doch sicher nicht beim Fußball, hast den Schal doch sicher
wegen Halsschmerzen an“ Hallo???) und der Apfelwein lief doch nicht mehr
so recht (eine Auswärtsfahrt ist schon anstrengend).
Müde und glücklich
kamen wir in Fulda an, ließen uns im Volltreffer noch das Traumtor von
Jan Schlaudraff in leuchtenden Farben schildern, gaben die Fahnentasche ab und
lachten die Silbermond-Fans aus, die gekommen waren, obwohl das Konzert doch
vom Benni verschoben wurde!
Das müssen wir mal wieder machen!