Freitag, 14.10.2005
SC Borussia Fulda - TSV Lehnerz 2:0
Eigentlich die besten Fußball-Voraussetzungen –
Freitagabend, Flutlicht, glasklarer Himmel und natürlich der Charakter
des Derbys.
Spricht zumindest für das Drumrum: Man konnte bei Nicht-Regen und dem Spiel
gegen Lehnerz eine gute Zuschauerkulisse erwarten und so kam es natürlich
auch. Aber seien wir mal ehrlich: der Qualität des Fußballs tut die
Auszeichnung als Derby eher Abbruch. Wer erinnert sich an ein hochkarätiges
Derby aus fußballerischer Sicht? Schwierig. Den Spielern merkt man es
meist, so auch am Freitag, an: man kann sich hier bis auf die Knochen blamieren.
Und das macht das Spiel spannend und gar nervenaufreibend. Aber nicht qualitativ
besser, sondern verkrampft. Die Ästhetik vergessen wir also lieber mal.
Was hingegen selten fehlt sind das gute alte „über den Kampf ins
Spiel“ und umstrittene Schiedsrichterentscheidungen und Platzverweise
und Aggressivität sowohl auf als auch neben dem Platz. Und da hatte Borussia
– Lehnerz einiges zu bieten.
Es begann etwas enttäuschend. Beide Mannschaften ließen
zunächst wenig Torchancen zu und es kam in Halbzeit 1 gar ein wenig Langeweile
auf – Hatte man zu viel erwartet?
Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild aber. Zwar war das Spiel zerfahren,
aber die Spieler nahmen die Zweikämpfe besser an und man spürte bei
beiden Mannschaften den Siegeswillen. Die Lehnerzer wurden ruppig und zeigten
auch schauspielerische Fähigkeiten im Zweikampfverhalten. Also doch noch
Derby-Feeling!
Mitten in dieser bedenklichen Phase fiel der Führungstreffer
(Djappa, 57.)– und zwar nach einem herrlichen Spielzug! Und doch ein schöner
spielerischer Höhepunkt.
Das zweite Tor war aber eher typisch. Ein Elfmeter nach einem Freistoß
für Borussia. Wofür? Die Lehnerzer Mauer hat den Ball ins Gesicht
bekommen, ach ja und wohl die Arme hochgestreckt?!? Hm, naja, stellen wir keine
Fragen, Marco Link verwandelte zum beruhigenden und entscheidenden 2:0 (70.).
Danach feierten die Borussenfans schon, zu Recht, denn Lehnerz hatte sich anscheinend
schon aufgegeben. Man hatte zumindest nicht das Gefühl, dass der Sieg noch
einmal gefährdet werden würde.
Und kurz vor Ende gab es ihn dann noch: den Platzverweis. Und das auch noch
für Lehnerz. Ein freudiger Aufschrei kam von den Lippen der Fans, bereits
als die Hand des Schiedsrichters Richtung „Arschkarte“ ging. Nicht
etwa peinliche 10 Sekunden später. Wer diese Geste erst verstand, als er
Rot sah, sollte lieber öfter mal zum Fußball gehen. Oder leise sein!:-)
Perfekter Derby-Tag aus Borussen-Sicht also. Und mit einem solchen Sieg Spitzenreiter zu sein, rundet den Erfolg noch perfekt ab. Spitzenreiter! Nachdem man Lehnerz geschlagen hat….
Das merkte man Publikum und Spielern auch an. Es wurde ausgiebig gefeiert und gesungen. Wilde Stadion-Romantik kam auf, durch die klirrend kalte Luft, durch stimmungsvolle Bengalos und, das werden vielleicht nur wirkliche weibliche Fußballfans verstehen, durch Gänsehaut-Gefühl beim Anblick des langsam abziehenden Rauchs, der aber noch über dem Rasen hängt und durch das Flutlicht, das sich seinen Weg durch die Schwaden bahnt. „You´ll never walk alone“ schoß uns durch den Kopf, selten hätte der Fußball-Klassiker besser gepasst.
Das hatten wir uns verdient.
Insbesondere nachdem Borussia vor dem Spiel einmal mehr die Favoritenbürde zu tragen hatte – und das obwohl man vor kurzem noch vor dem Nichts gestanden hatte. Das wird der SCB nie loswerden, man steht immer unter Druck und die ganze Region hätte sich ins Fäustchen gelacht, hätte es nicht geklappt.
Und am Ende stehen wir doch wieder oben.