Samstag, 14.09.2002
Borussia
Fulda - VfB Marburg 6:1
Einen hochverdienten Kantersieg fuhr die Borussenmannschaft am Samstag gegen den nun ehemaligen Tabellenführer und haushohen Favoriten VfB Marburg ein. Eine hervorragende sowohl spielerische als auch kämpferische Leistung war die Grundlage für den höchsten Sieg seit ewigen Zeiten. Mit fünf Toren Differenz im heimischen Stadion zu gewinnen, davon haben nur gnadenlose Optimisten zu träumen gewagt.
Los ging es mit der ersten Chance und dem ersten Treffer von dem etwas überraschend von Beginn an spielenden Christian Winter in Minute 7. Allgemeine Freude überall, aber noch keine Euphorie, denn man hatte ja noch gut und gerne 83 Minuten Bangen vor sich. Als drei Minuten später Lars Hohmann seinen ersten Pflichtspieltreffer für Fulda erzielen konnte, breitete sich dann schon leise Hoffnung auf drei Punkte in den Herzen der Borussenfans aus.
Einen jähen
Stich in dasselbe bedeutete aber der plötzliche und unerwartete Elfmeterpfiff
für Marburg (37.). Spontan wurden abwegige Theorien über dessen Grund
aufgestellt:
1. Schrittfehler unseres Keepers Mirko Brill?
2. Tormänner dürfen den Ball doch nicht in die Hand nehmen?
3. Der Schiri hat eigentlich nur ausgeatmet, wollte sich aber nicht blamieren
und zeigte deshalb auf den Punkt?
Nun ja, die wahre Begründung bleibt uns bis heute schleierhaft, aber es
ist die ganze Aufregung eigentlich gar nicht wert, denn Mirko Brill behielt
die Nerven und parierte den nicht schlecht geschossenen Elfmeter, so dass der
2-Tore-Vorsprung weiter vorsichtige Sicherheit verbreitete.
Als dann nur wenige Sekunden später die gelb-rote Karte für einen
meckernden Marburger gezeigt wurde, verzieh das Fuldaer Publikum dem Schiri
seine zweifelhafte Strafstoß-Entscheidung vollkommen.
Es war wiederum der überragende Christian Winter, der kurz vor dem Halbzeitpfiff
sein zweites und somit Borussias drittes Tor erzielte. Triumphierend rannte
er in die Fankurve, umarmte spontan die Anwesenden, um dann jubelnd in den Kreis
des Teams zurückzukehren.
In die Halbzeit entlassen wurden die Spieler mit einem warmen Applaus von allen
Seiten des Stadions, was nun wirklich nur alle Schaltjahre mal vorkommt. Verdient
war sowohl dies als auch die Führung, denn Marburg hatte dem kämpferischen
Einsatz und den spielerischen Finessen Borussias nichts entgegenzusetzen. Man
muss sich fragen, wie Marburg jemals Tabellenführer werden konnte, denn
man ergab sich ohne jegliche Gegenwehr dem Konkurrenten.
Andererseits muss man sich aber auch fragen, wieso Borussia plötzlich wieder
Fußballspielen kann. Und wieso man in dieser Saison bereits auf Abstiegsplätzen
gestanden hat, wenn man zu einer solchen Leistung fähig ist. Sicher war
Marburg an diesem Tag schwach, aber auch andere Borussengegner waren schlagbar
gewesen. Man hatte sich mit seiner Abschlussschwäche bisher nur selbst
im Wege gestanden.
Nach dem Seitenwechsel
änderte sich das Bild kaum, Borussia spielte und Marburg versuchte krampfhaft,
weitere Gegentreffer zu vermeiden. Durch den Krampf jedoch kam keine Ordnung
im Spiel und geschweige denn in der Abwehr zustande, so dass Fulda weiter munter
aufspielen und Tore schießen konnte.
Ab Minute 54 kamen die Fans kaum noch aus dem Jubeln heraus. Hohmann und Frick
wechselten sich ab, so dass innerhalb von 6 Minuten drei Tore fielen. Somit
führte Borussia Fulda mit 6-0 in der Johannisau. Die anwesenden Zeugen
dieses Schauspiels rieben sich beim Blick auf die Anzeigetafel verwundert die
Augen. Wann hatte auf der Heimseite zum letzten Mal die sechs gestanden? Ich
kann mich spontan nicht erinnern.
Zu verzeihen ist der Gegentreffer aus der siebzigsten Minute. Denn dass man
sich auf einem 6-Tore-Vorsprung ausruht ist absolut nachzuvollziehen.
Sicherlich wird es nach diesem grandiosen Sieg viele Stimmen geben, die Borussia "zwar eine ordentliche Leistung" bescheinigen aber zu bedenken geben, dass irgendetwas im Trinkwasser der Marburger gewesen sein muss, das diese nicht vorhandene Leistung erklärt. Denen möchte ich mich ausdrücklich nicht anschließen, denn bei Borussia hat alles gestimmt. Die Ordnung im Spiel war immer da, auch Siegeswillen konnte man nicht vermissen, gekämpft wurde, wenn es nötig war, aber das allerwichtigste wurde ganz deutlich: Die Mannschaft hatte Spaß am Fußballspielen. Jeder Schuss war ein Treffer, durch Glück, aber vor allem durch spielerische Überlegenheit gewann Borussia Fulda absolut überzeugend und hochverdient das Heimspiel gegen Marburg.
Kann man am nächsten Freitag in Bernbach auch nur in Teilen eine solche Leistung wiederholen, wird es nicht schwierig werden, sich zunächst im Mittelfeld zu etablieren, um dann, in ferner Zukunft, vielleicht auch mal den FSV gehörig zu ärgern.
Für Borussia spielten:
Mirko Brill, Adam Veapi, Christopher Krause (Ljubio Miloloza), Markus Bloß,
Dominik Weber, Andreas Wischermann, Francisco Martinez, Markus Unger, Lars Hohmann
(Benjamin Münch), Christian Winter (Alexej Uvarov), Christian Frick