Samstag, 07.12.2002

Borussia Fulda - KSV Hessen Kassel 2:1

Mit einem grandiosen Sieg gegen den (nun ehemaligen) Tabellenführer der Oberliga verabschiedet sich Borussia in die Winterpause.

Vor dem Spiel war viel geredet worden, von Prestige und Tradition, von Hooligans und Kassler Zuschauern und von Ausschreitungen und Polizeieinsätzen.
Vor einer relativ enttäuschenden Kulisse von etwa tausend Zuschauern, davon geschätzte 300 aus Kassel begann die Partie als wenig spannendes Mittelfeldgeplänkel. Insgesamt war die erste Hälfte nur begrenzt reizvoll, Kassel zeigte wenig Tabellenführerflair und den Borussen merkte man schon den Respekt vorm Tabellenersten an. Mit der Zeit wuchs jedoch die Sicherheit der Abwehr um die starken Mirko Brill und Andreas Wischermann. Etwas erstaunlich und eher unverdient scheint von daher auch dir Führung aus Minute 39.
Vermutete man nun das altbekannte Aufstecken Borussias, wurde man positiv überrascht, denn man kämpfte weiterhin und Kassel bemühte sich wenig, um den Vorsprung auszubauen.
Nach dem Seitenwechsel verstärkte sich der Eindruck der ersten Halbzeit. "Spitzenreiter, Spitzenreiter, ha ha ha" nicht nur einmal erschallte der Spruch der Fuldaer im Stadion. Man hatte eine Chance gegen den großen KSV, das spürte man ganz deutlich. Wunder gibt es ja bekanntlich immer wieder und selten war eines so verdient wie der Ausgleich durch Ljubio Miloloza (65.). Dass jetzt alles möglich war, verdankte man dem entschlossenen Einsatz des gesamten Teams. Jeder stand für jeden ein, alle kämpften für die anderen mit und Fehler wurden versucht auszugleichen, kurz: eine echte Mannschaft stand einer Gruppe von Einzelspielern gegenüber.
Dass der Siegtreffer aber wirklich noch erzielt werden sollte, machte dann alle Anwesenden sprachlos. Man fiel sich einfach nur in die Arme und traute seinen Augen kaum. Krönung des ganzen war sicherlich die Tatsache, dass das Tor von Christopher Krause geschossen wurde, eigentlich ein A-Jugend-Spieler, der in dieser Saison einen kometenhaften Aufstieg erlebt. Vom ersten Schnuppern in die erste Mannschaft, über die Rolle als Joker hin zu einer festen Größe im Team, und das in weniger als einem halben Jahr, wann hat man ein solches Talent zuletzt erlebt?
Jedenfalls nahm er seinen Mut zusammen und machte es einfach alleine in Minute 75. Auch danach versteckte sich Borussia nicht und spielte weiterhin auf Sieg. Fast hatte man den Eindruck, der KSV habe gar nichts vom Gegentor mitbekommen, denn Spieler wie Fans zeigten keinerlei Trotzreaktion. Emotionen gab es nur auf Borussenseite, und dort gar reichlich.
Nach dem Schlusspfiff fielen sich Spieler wie Fans in die Arme. Ein echtes Fußballmärchen ist wahr geworden an diesem bitterkalten Samstag in der Johannisau. Prestige und Tradition spielen natürlich eine Rolle, aber am meisten freuen wir uns über die Gefühle, den Freudentaumel, die Euphorie, die Rührung und Begeisterung aller, die gesehen haben, was dort geschehen ist und vor allem auch die Art und Weise, wie das passiert ist. Von Ausschreitungen war auch nichts zu hören, so dass auch das Hinspiel getrost abgehakt werden kann.

Die Mannschaft hat uns allen ein wunderbares Weihnachtsgeschenk gemacht.
Verabschieden wir uns mit diesem warmen Gefühl in die Winterpause.
Wir wünschen an dieser Stelle allen ein wunderschönes Weihnachtsfest und ein tolles neues Jahr. Wir freuen uns auf die Fortsetzung dieser Saison.

Für Borussia spielten:
Mirko Brill, Markus Bloß, Andreas Wischermann, Adam Veapi, Andreas Schäfer, Dominik Weber, Markus Unger, Ljubio Miloloza (Nico Hose), Christopher Krause, Christian Winter (Murat Anli), Christian Frick (Lars Hohmann)